Web oder App? Danke, ich bleib beim Bier

Die Diskussion über die Vorteile des mobilen Internets gegenüber nativer Applikationen geht in die nächste Runde. Während Carsten Frien, Geschäftsführer von Madvertise, in der FAZ „Apps als Übergangsphänomen“ propagiert, setzt Google auf ein offenes mobiles Internet und die Weiterentwicklung der Programmiersprache HTML5 – nicht aus Liebe zum mobilen Internet natürlich, sondern in der Hoffnung, das mobile Internet endgültig als Werbeplattform zu etablieren (Quelle: FAZ). Doch die Konsumenten zeigen all dem quasi den Stinkefinger, zumindest in Deutschland. Laut aktueller Zahlen des Nielsen Mobile Insights Report surft in Deutschland nur etwa jeder zehnte (13%) mit seinem Handy im Mobilen Internet (Quelle: W&V). Und das, zehn Jahre nachdem die erste UMTS-Lizenz verkauft wurde. Tendenz steigend?

Vielleicht ja. Denn die Nutzungszahlen des mobilen Internets sind bereits um über 80 Prozent gestiegen (Quelle: Financial Times Deutschland), dank günstigerer Tarife und neuer Endgeräte, vor allem dem iPhone. Prognosen sagen dem mobilen Internet ein überdurchschnittliches Wachstum voraus, für E-Plus Sprecher Guido Heitmann ist „[d]er Durchbruch zum Massenmarkt im mobilen Datengeschäft […] in Sicht.“ (Quelle: Stern). Doch hören wir das nicht schon seit Jahren?

Wenn ich mich in meinem Freundeskreis so umhöre wird eines klar: Die Anhänger der Analogfraktion halten nicht viel von Facebook und Co. Und noch weniger von dem Gedanken, ständig online zu sein. Wenn sie unterwegs sind, treffen sie sich lieber mal schnell auf ein Bier, statt ihre Social Networking Kontakte über ihr cooles neues Smartphone zu pflegen. Ganz einfach, weil sie die Notwendigkeit nicht sehen, mobil zu surfen. Und das selbst, wenn sie es könnten. Telefonische Erreichbarkeit genügt ihnen, für alles andere gibt es das stationäre Internet. Die, die jetzt schon ein Smartphone besitzen, werden sich weiterhin die neuesten Modelle kaufen, weil sie ohnehin nicht mehr darauf verzichten möchten. Alle anderen aber werden auf die „normalen“ Modelle zurückgreifen. Telefonieren muss es halt können.

Das schlechte Image des mobilen Internets trotzt immer noch allen Prognosen. Als „Manager-Ding“ verschrien, fürchten sich immer noch die meisten vor diesem einen Knopf auf ihrem Handy, der sie plötzlich, ohne es zu wollen, ins mobile Internet katapultiert. Und vor den daraus resultierenden Kosten, die zwar deutlich geringer, doch immer noch nicht transparenter geworden sind. Apps scheinen für viele eine gute, aber doch unnütze Sache, weil eigentlich braucht man das doch alles gar nicht. Und so könnte es sogar sein, dass gerade die Apfel-Hegemonie des mobilen Internets die Konsumenten nur noch mehr abschreckt. Denn mobiles Surfen, so die Theorie, macht ja eh nur mit einem iPhone richtig Spaß.

Natürlich wird es weiterhin jene geben, deren Vertrag ausläuft und die plötzlich ein schickes neues Smartphone haben mit dem sie das mobile Internet einfach mal ausprobieren – um dann festzustellen, dass sie ohne mobile Flat ein Vermögen ausgeben, um zu surfen. Und spätestens nach dieser Erkenntnis wird für sie das Thema mobiles Internet erledigt sein.

Was lernen wir aus dieser Erkenntnis? Die Adaption des mobilen Internets in der breiten Bevölkerung wird noch einige Zeit auf sich warten lassen. Laut einer Umfrage der Marktforscher Fittkau & Maaß verzichten immer noch zwei von drei Handy-Besitzern wegen zu hoher Kosten auf die Nutzung des mobilen Internets (Quelle: Stern).
Doch was tun, fragt sich der Mobile Marketeer, um das mobile Internet trotzdem attraktiv zu machen. Die Schlagworte sind immer die Selben. Niedrigere Kosten, größere Preistransparenz, bessere mobile Endgeräte. Doch werden sich dadurch Konsumenten überzeugen lassen, die dem Ganzen einfach keinen Nutzen abgewinnen? Vielleicht sind es konkrete Use Cases, die auch die Analogfraktion davon überzeugen könnten, dass es gut ist, unterwegs online zu sein.

So wie in diesem Spot von Swisscom:

Und für alle, die immer noch Angst vor Kosten haben, ein kleiner Tipp: WLAN! Einfach das smarte Telefon mit dem eigenen WLAN-Router Zuhause verbinden und die Freuden des mobilen Internets völlig umsonst genießen. Denn spätestens dann, wenn es am Wochenende nicht mehr notwendig ist den Rechner hochzufahren um Facebook und Emails zu checken, merkt man, wie praktisch das doch eigentlich ist. Und vielleicht erlebt das mobile Internet dann auch den lange angekündigten Aufschwung.

Was sind eure Tipps, um die Analogfraktion ins mobile Internet zu bewegen?

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One Response to “Web oder App? Danke, ich bleib beim Bier”

  1. Armin Says:

    Meistens weiß die Analogfraktion gar nicht, was das eigene Handy so alles kann. Einfach mal eine SIM-Karte mit Datentarif ins befreundete Telefon stecken und die Emails checken. Da wird die Analogfraktion Augen machen!

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