Google Apps Marketplace
„Google launcht neuen B2B App Marketplace“. So, oder so ähnlich lautete der Tweet, den ich heute (mit meinem HTC Magic) in meinem Twitter-Stream gelesen habe. Hätte mich jemand in dem Moment gesehen, er hätte die Fragezeichen in meinem Gesicht deutlich erkannt. Wieso, habe ich mich gewundert, braucht Google einen weiteren Marktplatz, die haben doch schon einen? Doch dann dämmerte es. Nein, hier geht’s ausnahmsweise mal nicht um Apps für mobile Endgeräte. Manchmal muss man eben erst wieder mit der Nase darauf gestoßen werden, dass das Wort App ja nicht zwingend was mit Mobile zu tun hat, sondern der Oberbegriff für Problemlösungen mit Hilfe eines Softwaresystems ist (Quelle: Wirtschaftslexikon). Und dann gibt es da ja auch noch Google Apps (Quelle: Google).
Google Apps bündelt Googles Cloud Computing Anwendungen für Email, Kalender, Text & Tabellen, Groups, Sites und Videos zu einer Business Suite, welche für nur 50 Dollar pro Nutzer pro Jahr angeboten wird. Laut Google nutzen aktuell mehr als zwei Millionen Unternehmen Google Apps weltweit (Quelle: Googleblog), und darunter befinden sich Namen wie Jaguar Land Rover (Quelle: Information Week) oder die Stadt Los Angeles (Quelle: Google Enterprise Blogspot).
Doch Googles größter Vorteil hier ist auch sein größter Nachteil. Denn typischerweise ermöglichen Cloud Computing Anbieter den Zugriff auf Business Software mittels einem Webbrowser, während die Software und auch die Daten auf einem Server gespeichert sind (Quelle: Wikipedia). Und in diesem Fall handelt es sich dabei eben um Googles Server. Sensible Geschäftsdaten auf fremden Servern zu speichern, die sich außerhalb der eigenen Verwaltung befinden, ist allerdings nicht jedermanns Sache (Quelle: Business Week).
Mit dem Launch des Google Apps Marketplace überträgt Google das Erfolgsmodell App Store jetzt zurück ins Web. Damit möchte Google die Nutzung von Google Apps weiter ankurbeln. Und dies erreicht Google, indem es Entwicklern eine Plattform anbietet, bei der diese ihre Programme einer großen Kundengruppe (eben diesen 2 Millionen Unternehmen) anbieten und verkaufen können (Quelle: Computerworld). Allerdings nur, wenn diese Programme über eine Integration mit Googles Anwendungen verfügen. Dazu werden offene Standards wie OpenID genutzt, so dass der User auf die Drittprogramme mittels Single-Sign-On über seinen Google Account zugreifen kann (Quelle: Google Apps Developers Blog). Über weitere Schnittstellen ermöglicht Google zudem Drittprogrammen den Zugriff auf seine Anwendungen und dort gespeicherten Daten (Quelle: Google).
Damit hat Google nun einen guten Anreiz geschaffen, Google Apps in (zumindest einer Version) von Drittprogrammen zu integrieren. Mit der steigenden Anzahl von verfügbaren Anwendungen, die mit Google Apps integriert sind, wird wiederum die Anzahl an Unternehmen steigen, die Google Apps nutzen, was weitere Entwickler dazu anspornen wird, Google Apps in ihre Programme zu integrieren. Der Netzeffekt tritt ein.
Google wird eine Einstellungsgebühr von 100 Dollar verlangen, sowie 20% der Einnahmen, die durch den Verkauf von Programmen entstehen. Aktuell funktioniert der Billing Service aber noch nicht. Dieser wird mit Google Checkout realisiert und es ist geplant, ihn innerhalb der nächsten drei Monate zu implementieren (Quelle: Google Developers).
Ob Googles Strategie aufgeht, wird sich zeigen. Sicher ist aber, dass es auch dieses Jahr spannend bleibt im Kampf der Internet- Giganten um Marktanteile.
