In mobile we trust – Religion und mobile Technologie

Das Mobiltelefon ist für viele Menschen heilig. Für manche jedoch heiliger, als für andere. Denn die zunehmende Desäkularisierung findet nicht nur in Gotteshäusern, sondern auch auf dem Mobiltelefon statt. Und da sind spirituelle Wallpaper oder Bibelverse per SMS noch die harmloseste Ausprägung.

„Hier spricht Gott, ich bin momentan nicht zu erreichen!“ Was sich anhört wie ein Scherz ist für den Dänen Johan van der Dong wahre Kunst. Er hat Gott eine Telefonnummer eingerichtet, damit die Leute nicht in die Kirche gehen müssen, um zu beten. Für van der Dong ist dies der moderne Weg Gott zu erreichen. Einen direkten Draht bekommen neugierige Anrufer aber auch hier nicht. Stattdessen können sie eine Nachricht hinterlassen – und werden wohl eher nicht umgehend zurück gerufen (Quelle).

Was in Europa unter Kunst gehandelt wird, ist in Indien dagegen Realität. Schon seit längerem haben Hindus die Möglichkeit, ihre Gebete per SMS an einen Tempel zu schicken, wo sie dann dem Hindu Gott Ganesh vorgetragen werden (Quelle).

Für Indonesiens Muslime hat das Handy dagegen einen rein praktischen Nutzen. Dort werden Mobiltelefone vor allem benutzt, um ihnen über die Fastenzeit zu helfen. Hidaya heißt das Wundergadget, das während des Ramadan immer dann läutet, wenn die Fastenzeit endet, und den Benutzer morgens mit religiösen Liedern weckt, damit dieser die letzte Mahlzeit vorm Fasten einnehmen kann. Aber nicht nur das. Mit bereits vorinstallierten Wallpaper und Klingeltönen kann man sein Telefon mit religiösen Inhalten „pimpen“ – und sich mit Hilfe einer speziellen Software und nur einem Klick die neueste Islamische Musik und die neuesten Bilder aufs Handy holen (Quelle).

Die muslimische Welt ist laut Heise ein besonders wichtiger Markt für die Operator: „Die Mobiltelefon-Industrie hat in arabischen und muslimischen Regionen Zuwachsraten wie kaum eine andere, […] kein Wunder also, dass sich die Telefonfabrikanten längst auf diesen Markt eingestellt haben und mit “islamischen Features” aufwarten: Muslime können sich den Koran aufs Minitelefon laden, überall von Vorbetern der berühmtesten Moscheen der Welt zum Gebet gerufen werden, sich die “Qibla” anzeigen lassen, damit man an jedem Ort der Welt weiß, wo Mekka liegt, und das islamische Glaubensbekenntnis ” das Tawid ” als Logo auf dem Handy-Display herumtragen“ (Quelle). In diesem Punkt stehen die Katholiken den Muslimen in nichts nach. Denn mit Catholic Mobile hat auch der Katholizismus einen Content Provider für religiöse Inhalte aller Art (Quelle)!

Eine israelische Telefongesellschaft hat eine ähnliche Marktlücke entdeckt. Sie vermarkten das sogenannte Kosher Phone, das automatisch Internet Services, SMS, Video und Voice-Mail Applikationen sperrt, da diese modernen Einflüsse eine Bedrohung für orthodoxe Werte darstellen. Das Telefon trägt sogar den Stempel des Rabbiners, ein legitimes Sprachrohr Gottes also (Quelle). Und neben kosheren Telefonen gibt es für unterwegs auch noch einen SMS Service, mit dem es spielend einfach ist, koshere Restaurants, Synagogen oder Chabad Häuser in seiner Nähe zu finden (Quelle).

Was der Papst wohl dazu sagt? Der ist selbst schon mobil unterwegs, und das nicht nur im altbekannten Papamobil. Zum Weltjugendtag 2005 verschickte der Papst nicht nur seine Abschlusspredigt per SMS. Bereits Wochen vorher kamen Abonnenten in den Genuss der päpstlichen Kurznachrichten – was meiner Oma eventuell einen Grund geben würde, öfters auf ihr Telefon zu sehen (Quelle). Und auch 2008 in Sydney war der Papst auf den Handys der Pilger vertreten – und nicht nur dort! Im wahren Leben gab es digitale Gebetsflächen, im virtuellen ein katholisches Social Network ähnlich wie Facebook (Quelle).

In Südafrika nimmt mobile Spiritualität wieder andere Formen an. Denn dort transportiert sich der Glaube an ein Leben nach dem Tod auch auf das Mobiltelefon. Zumindest fast. Denn aus Angst vor Hexerei wollen viele Südafrikaner neuerdings mit ihren Handys begraben werden. Man könnte ja unter einem Fluch stehen, begraben werden und plötzlich wieder aufwachen. In Australien liegen die Motive da etwas anders, da werden Handys mit in Särge gelegt, um, ähnlich wie bei den alten Ägyptern, Reichtum zu signalisieren – und natürlich damit sie einem im Leben nach dem Tod weiterhin zur Verfügung stehen (Quelle).

So schaffen also Mobiltelefone was Menschen schon seit Jahrhunderten versuchen – sie bringen alle Religionen quasi an einen Tisch. Oder auf ein Mobiltelefon. Und wieso gerade das Handy? Pastor Robbie Howells der Newport City Church bringt es auf den Punkt: “It’s getting the message across in a fun, funky way” (Quelle). Amen!

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