Vergleich der Mobilen Plattformen
In den letzten Monaten ist viel über die verschiedenen mobilen Plattformen gesprochen worden. Aber was bedeuten diese eigentlich, was können sie und wieso sind sie wichtig?
Unter mobilen Plattformen versteht man in der Regel die verschiedenen Betriebssysteme von Smartphones. Diese System unterscheiden sich in Bezug auf:
- die Offenheit des Betriebssystems
- die Anzahl der verfügbaren Geräte
- die Möglichkeiten welche das Betriebssystem bietet
- den Vertrieb der Applikationen
Im letzter Zeit hat sich die Diskussion auf folgende Plattformen konzentriert:
- iPhone OS
- Google Android
- Windows Mobile
- Blackberry OS
- Symbian
Offenheit des Betriebssystems:
Das iPhone OS und Blackberry OS gibt es nur in Geräten des jeweiligen Herstellers. Das Betriebssystem an sich ist geschlossen und wird nur von Apple bzw. Blackberry weiterentwickelt. Windows Mobile ist auch ein geschlossenes Betriebssystem welches von Microsoft entwickelt wird, allerdings verteilt Microsoft nur Lizenzen an andere Handyhersteller für sein System und stellt selber keine Geräte her.
Die Rolle von Symbian hat sich in den letzten drei Monaten massiv geändert. In der Vergangenheit war Symbian in einer ähnlichen Rolle wie Microsoft. Es hat das Betriebssystem entwickelt und es an andere Firmen lizensiert. Allerdings hat Nokia Symbian Ende des letzten Jahres gekauft und die Symbian Foundation gegründet. Diese entwickelt das Betriebssystem weiter und wird es als Open Source herausbringen. Die Mitglieder der Symbian Foundation können auf dieser Basis Mobiltelefone anbieten. Die ersten Telefone sollen Ende des Jahres auf den Markt kommen, das erste Gerät wurde auf dem Mobile World Congress von SonyEricsson gezeigt.
Einen ähnlichen Weg geht auch Android, welches initial von Google entwickelt worden ist und dann an die Open Handset Alliance übergeben wurde, welche die Software entwickelt. Diese stellt die Software umsonst zur Verfügung und Hersteller können auf dieser Basis Telefone entwickeln.
Anzahl der Geräte:
Das iPhone OS gibt es im Moment nur auf einigen wenigen Geräten, nämlich dem iPhone, iPhone 3G und dem iPod Touch. Allerdings hat Apple sämtliche Erwartungen übertroffen und alleine vom iPhone mehr als 13 Millionen Geräte weltweit verkauft.
Das Blackberry OS gibt es auf Grund seines höheren Alters im Vergleich zum iPhone OS auf mehreren Geräten, welche auch unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Blackberries gibt es mit Touchscreen in Form des Storms, mit einer vollen Tastatur auf dem Bold oder Curve und als schmales Gerät mit einer abgespeckten Tastatur in Form des Pearls. Die Anzahl der Geräte ist bei den anderen Betriebssystemen, die nicht an einen Hersteller gekoppelt sind wesentlich größer.
Eine Ausnahme ist hier im Moment noch Android, welches es derzeit nur in der Form des G1 gibt und in Kürze auf einem weiteren Gerät, dem HTC Magic, erhältlich sein wird. Allerdings haben eigentlich alle großen Handsethersteller, bis auf Nokia, Blackberry und Apple, Geräte auf Basis von Android vorgestellt.
Symbian Geräte gibt es von einer Vielzahl von Herstellern (z.B. Motorola, LG, Samsung, Nokia, SonyEricsson), die meisten und bekanntesten Geräte kommen jedoch von Nokia (z.B. E-Series und N-Series), SonyEricsson (z.B. P1) und in Japan benutzt NTT DoCoMo Symbian als Basis für seine Telefone.
Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei Windows Mobile, hier haben fast alle großen Hersteller mindestens ein Gerät im Angebot. Am Weitesten verbreitet sind jedoch die Geräte von HTC (z.B. Touch oder Diamond) und die jeweiligen Telefone als exklusive Operator Version in Form des VPA, XDA und MDA. Letzte Statistiken für den Verkauf im 4. Quartal zeigen Nokia (Symbian) weit vor RIM (Blackberry OS) und Apple (Apple OS). Android und Windows Mobile werden nicht einzeln aufgeführt, allerdings liegen HTC (Android und Windows Mobile) und Samsung (Windows Mobile und Symbian) abgeschlagen auf den Plätzen 4 und 5.
Möglichkeiten des Betriebssystem:
Im Folgenden soll auf die Unterschiede bzw. auf fehlende Funktionen eingegangen werden, so soll also keine komplette Vorstellung bzw. ein Vergleich stattfinden.
Obwohl das iPhone OS allgemein als großer Erfolg und beeindruckendes OS angesehen wird, gibt es ein paar Dinge, die viele vermissen bzw. für Kritik sorgen. Das iPhone unterstützt im Gegensatz zu den meisten anderen Smartphone OS kein Multitasking, so dass z.B. kein Instant Messenger im Hintergrund laufen kann oder man eine Webseite fertig laden lassen kann, während man noch schnell eine SMS schreibt. Ein weiteres Manko ist die mangelnde Unterstützung für die Aufzeichnung von Video. Die fehlenden Funktionen für das Versenden und Empfangen von MMS und die Verwendung des iPhones als Modem für den PC werden wohl im Sommer mit der Version 3.0 des Betriebssystems implementiert. Eine weitere Beschränkung ist die zentrale Kontrolle über die Veröffentlichung der Applikationen durch Apple und den App Store. Dies führt einmal sowohl zu einer nicht planbaren Veröffentlichung der Applikation, als auch zur potenziellen Ablehnung der Applikation durch Apple. Das iPhone OS unterstützt einmal direkt installierte Programme in der Programmiersprache Objective-C und Webapplikationen, die im Browser laufen und in HTML, CSS und Javascript erstellt sind.
Auch Android erlaubt kein direktes Multitasking auf dem Telefon, allerdings können die Applikationen untereinander direkt kommunizieren und speichern ihren aktuellen Status, so dass man beim Zurück springen genau an der alten Stelle weiterarbeiten kann. Im Gegensatz zum iPhone erlaubt jedoch Android die Aufzeichnung und das Publishen von Videos. Wie beim iPhone steckt auch im Android ein vollwertiger Browser, so dass auch hier Webapplikationen mittels HTML, CSS und Javascript erstellt werden können. Android OS native Applikationen werden in Dalvik programmiert, welches eine Java-ähnliche Struktur hat und ebenfalls in einer Virtual Machine läuft. Flash und Flash Lite werden im Moment noch nicht unterstützt, allerdings hat Adobe eine Version für Ende des Jahres angekündigt.
Eine ähnliche Situation ergibt sich auch bei Blackberry. Diese Plattform wird in einer eigenen Variante von Java programmiert, in der spezielle Java Bibliotheken and APIs für Blackberries enthalten sind. Die drei größten Nachteile des Betriebssystems ist die komplizierte Programmierung und Debugging von Blackberry, was man in vielen Beiträgen in Foren nachlesen kann. Das zweite Problem war lange Zeit die schwache Leistung des Prozessors bei Blackberries, so dass bestimmte Anwendungen aus Performancemangel nicht umsetzbar waren. Diese Kritik spielt jedoch bei den letzten Modellen (Storm und Bold) keine so große Rolle mehr. Als dritter Punkt spielen die verschiedenen Devices eine Rolle, da nicht jede Applikation auf jedem Blackberry und jeder Blackberry Firmware Version einwandfrei läuft, sondern einzeln getestet werden muss.
Der letzte Punkt spielt auch eine wesentliche Rolle bei Symbian und Windows Mobile, da es hier nicht nur eine Vielzahl von verschiedenen Versionen gibt (z.B. S60V3, S60V3 FP1, S60V3FP2 bei Symbian) sondern auch eine noch größere Anzahl von Telefonen. Auf der anderen Seite bieten beide Systeme echtes Multitasking, so dass mehrere Programme parallel laufen können und man sofort zwischen diesen per Taskmanager wechseln kann. Die beiden Betriebssysteme bieten auch eine größere Anzahl verschiedener Sprachen für die Entwicklung von Applikationen.
Symbian OS bietet Symbian (basierend auf C++ und Open-C), J2ME (die mobile Version von Java), Flash Lite, Python und Webapplikationen (HTML, CSS, Javascript). Symbian ist jedoch die schwerste Entwicklersprache für Mobiltelefone. Positiven ist, dass Symbian es erlaubt, auf Grund seiner hohen Performance anspruchsvolle Programme zu schreiben und auch tief in das System einzugreifen. Die anderen Sprachen für Symbian haben nicht dieselbe Performance und auch einen eingeschränkten Zugriff auf das System, auf der anderen Seite sind sie einfacher zu programmieren und werden auch auf anderen Plattformen benutzt. Im Vergleich zum iPhone gibt es auch fast keine Beschränkungen was mögliche Applikationen oder Funktionalitäten angeht.
Windows Mobile als Betriebssystem wird ebenfalls in C++ programmiert und kann dann native auf dem Telefon laufen. Dies erlaubt auch hier eine sehr hohe Performance der Anwendungen und auch einen tiefen Zugriff auf das System. Zusätzlich bietet Adobe Flash Lite für Windows Mobile an und hat auch eine normale Flash Version für Ende des Jahres angekündigt, Microsoft bietet noch C# an. Der Internet Explorer Mobile in Windows Mobile 5.0 und 6.0 kann zwar nicht mit dem Safari des iPhone oder dem S60WebkitBrowser mithalten, jedoch unterstützt er auch HTML, Javascript und CSS.
Vertrieb der Applikationen:
Auch hier zeigt sich die Geschlossenheit des Apple Betriebssystems, da der Benutzer offiziell nur Applikation über den Apple AppStore auf dem Gerät installieren kann. Die Applikationen müssen dazu von Apple freigegeben werden. Bei Blackberry, Windows Mobile und Symbian gab es in der Vergangenheit verschiedene Möglichkeiten, Applikationen für das Gerät zu bekommen, entweder konnte man diese frei herunterladen oder aber über z.B. Handango kaufen. Dadurch gibt es keine zentrale Kontrolle über die Software, auch wenn Symbian Applikationen signiert werden müssen. Diese Situation wird sich jedoch in den nächsten Monaten ändern, da Blackberry, Microsoft und Nokia eigene App Stores starten werden, um vom Erfolg des Apple App Stores zu profitieren. Die genauen Pläne für die verschiedenen Plattformen sind jedoch noch nicht veröffentlicht worden. Android ist sofort mit einem eigenen Store an den Markt gegangen in dem auch seit ein paar Wochen kostenpflichtige Applikationen angeboten werden können.
Ausblick:
Auf Grund der vielen Unterschiede und neuen Entwicklungen in diesem Bereich ist es im Moment nicht möglich vorherzusagen, wie sich der Markt in der Zukunft entwickeln wird.
Im Moment denke ich, dass es für Windows Mobile am engsten wird. Apple ist mit ihrem iPhone ein voller Erfolg gelungen, der weltweit, im speziellen in den USA und Europa, eine treue Gefolgschaft hat. Blackberry ist auf Grund seiner Position als Enterprise E-Mail Maschine/ Anbieter in einer besonderen und teilweise gesicherten Position. Symbian hat mit Nokia den größten Handsethersteller und Smartphonehersteller als Eigentümer und ist damit in einer guten Position weiter eine wichtige Rolle auf dem Markt zu spielen. Android ist im Moment noch das jüngste System, jedoch verkauft sich das erste Telefon sehr gut. Die erste Version des Betriebssystems gefällt den Usern und Experten sehr gut. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Open Handset Alliance von fast allen wichtigen Spielern im Markt unterstützt wird, bis auf die schon genannten Ausnahmen Apple, Blackberry und Nokia.
Somit hat meiner Meinung nach Microsoft die schwächste Position unter den vorgestellten Smartphone Plattformen.
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