Tweet Tweet – Teil 2! Wie wird Twitter zum ultimativen Marketingtool
Die Twitter-Basics haben wir ja Dank dem ersten Teil des Interviews mit Nicole Simon schon hinter uns. Doch wie geht es weiter mit Twitter und wie kann ich es als Marketingtool gewinnbringend einsetzen? Das und mehr, jetzt im zweiten Teil des Interviews…
Sie haben ein Buch über Twitter geschrieben „Twitter – mit 140 Zeichen ins Web 2.0“. Worum geht es in Ihrem Buch?
Es war eigentlich gedacht als ein Buch „Vom Einsteiger zum Fortgeschrittenen“. Es ist für Leute, die sich bis jetzt gar nicht oder wenig mit Twitter beschäftigt haben. Man kann es gut in zwei bis vier Stunden durcharbeiten und danach hat man einen guten Überblick darüber, was Twitter ist und wie es funktioniert. Es ist teilweise ein an die Hand nehmen, also das ist dein erster Twitter-Account, so schreibst du deine erste Nachricht oder eine Antwort, favorisierst etwas, so funktioniert die Suche und so weiter. Für Einsteiger ist es genau der kompakte Happen, den es braucht, um Twitter zu verstehen, für die Fortgeschrittenen ist vielleicht wenig Neues drin. Das Thema Business hat ein eigenes Kapitel bekommen, also wie gehe ich als Firma damit um, was mach ich mit Brand Monitoring, wie kann ich aktiv kommunizieren, wie kann Twitter auf Veranstaltungen genutzt werden. Außerdem erfährt man, wie man Twitter mit anderen Welten verbindet, also seinem Facebook-Account oder Friendfeed und geben am Schluss noch einen Überblick über das Twitterversum und die Geschichte von Twitter. Wenn sie also twittern wollen oder müssen, ist das ihr perfekter Einstieg.
Ich bin Twitteranfänger und hab tolle Ideen, die alle erfahren sollen. Leider weiß ich nicht genau, wie die Leute auf meinen Tweet aufmerksam werden können. Was würden Sie mir raten?
Sie sollten einfach so anfangen, wie sie auch mit ihren Blogs oder auf einer Party vorgehen würden. Die erste Frage ist, ob sie privat oder geschäftlich twittern möchten. Wenn es ums Business geht, sollte man strategische Duftmarken setzen, das heißt man folgt den bekannten Gesichtern in der Hoffnung, dass sie einem zurück folgen. Man verfolgt also ein bisschen, was die schreiben, antwortet vielleicht darauf und versucht, die Aufmerksamkeit der bekannteren Leute auf sich zu ziehen. Man twittert dann mal ein paar intelligente Sachen und hofft, dass die Leute einen retweeten, dass sie also die Nachricht wiederholen, damit auch andere Leute auf sie aufmerksam werden oder man verweist in Blogartikeln auf seinen Twitter-Account. Es ist also ähnlich, wie wenn sie einen Blog bekannt machen wollen.
Sie selbst haben Twitter als wichtiges Werkzeug für eine Marke bezeichnet. Wie kann man Twitter nicht nur als reines Angebotstool oder dumme PR-Maßnahme nutzen, sondern als kreative Marketingmaßnahme?
Man muss sich dessen bewusst sein dass die Leute schon über die Marken und die Firmen reden und sich darüber austauschen. Das ist für eine Marke Teil des Monitorings und das eben über einen kleinen Chatroom hinaus. Google zum Beispiel liebt Twitter. Wenn sie nach einer Marke oder Firma suchen, bekommen sie als eines der ersten Ergebnisse die Statusmeldung von irgendwelchen Leuten, die sich vielleicht gerade über die Firma beschweren. Das muss nicht unbedingt über Twitter passieren, aber diese Art der Kommunikation finden die Leute toll und deswegen sollte man sich damit auseinander setzen. Wir sind schon über den Punkt hinaus wo Firmen sagen, das Internet gefällt mir nicht und deswegen hab ich auch keine Website. Das Nächste ist, das Ganze kreativ zu betreiben. Ein gutes Beispiel ist HP. Die haben auf der Blogworld letztes Jahr eine Schnitzeljagd über Twitter gemacht. Oder sie bieten Angebote an, die es nur über Twitter gibt. Die Möglichkeiten sind vielfältig, das hängt natürlich auch von der Kundschaft ab und welche Erwartungshaltung sie haben.
Was sollte man dabei beachten, wenn man den Kunden dadurch einen wirklichen Mehrwert bieten will?
Die eigentlichen Probleme für eine Marke ergeben sich daraus, dass sie noch weniger Kontrolle über die Message haben als früher. Man muss sich darauf einstellen, dass Twitter viel schneller ist. Demnach müssen die Leute, die vor Twitter sitzen, auch mit ganz anderen Kompetenzen ausgestattet werden. Hier hat man keine Zeit, zwei Stunden auf eine Entscheidung vom Chef zu warten oder etwas zu klären. Es ist real-time und sie müssen schnell darauf reagieren können und kompetent genug sein, vor allem in Krisensituationen. Und natürlich muss man mit den Tools umgehen können. Sie müssen wissen, wie sie suchen und wie sie vernünftig antworten. Wachstumszahlen zeigen, das Twitter bald für alle ein Thema sein wird und wenn es nicht Twitter sein wird, dann ist es Microblogging, weil die Leute es so super finden, dass sie diesen Kommunikationskanal nicht mehr hergeben. Genauso, wie die Leute ihre Handys nicht mehr hergeben würden. Man sollte sich das Thema ganz genau ansehen und schauen, ob und wofür die Kunden es bereits nutzen.
Wie sieht die Zukunft von Twitter aus?
Twitter braucht auf lange Sicht ein Geschäftsmodell. Die Firma, die dahinter steht, ist sehr gut darin, Geld zu sammeln, es aber nicht auszugeben. Es gibt bereits Alternativen zu Twitter, aber Twitter ist der Marktführer. Es war Teil ihrer Strategie erst mal so viele Leute wie möglich zu Twitter zu bringen und den Firmen, vor allem im Mobilfunkbereich, Deals vorzuschlagen. Das ist fehlgeschlagen. In Zukunft wollen sie vor allem mit den Firmen Geld machen, die jetzt schon auf Twitter sind, und ihnen Modelle anbieten wie eine einheitliche Oberfläche, mit denen man die verschiedenen Twitter-Accounts für die verschiedenen Produkte steuern kann, oder dass Firmen Statistik-Funktionen nutzen können.
Und im mobilen Bereich?
Ich glaube nicht, dass es im mobilen Bereich von Twitter selbst viel Neues geben wird. Twitter ist extrem beschränkt und kann im Grunde überhaupt nichts. Sie haben in den letzten Jahren – außer der Suche – sehr wenig hinzugefügt. Aber es gibt ein blühendes Eco-System an Applikationen drum herum. Für den mobilen Bereich wird es keine speziellen Twitter-Anwendungen geben aber es wird eine Auswirkung auf den mobilen Bereich haben und die Nutzer werden das Thema mobil ganz anders angehen. Ich habe beispielsweise noch nie einen Klingelton gekauft und würde auch nicht viel telefonieren oder SMS schreiben. Aber wir alle fangen an, uns Datentarife zuzulegen um Twitter auch mobil zu nutzen. Dieser Bereich gefällt den Providern gar nicht, weil wir uns daran gewöhnen, dass Kommunikation kein Geld kostet. Was viele auf einmal kennen lernen ist eine vernetztere Welt. Eben, dass man so viele Dinge von unterwegs machen kann, und das hat natürlich eine Strahlwirkung. Wie zum Beispiel mit dem Flugzeugunglück in der Hudson Bay, da tauchten die ersten Bilder über Twitter auf. Es dürfte das mobile Internet pushen, wenn die Provider und die Anwendungsentwickler sich etwas zurücknehmen und sich auf unsere Welt und unsere Bedürfnisse einstellen.
Wird es eine Fortsetzung von ihrem Buch geben?
Wenn es eine Fortsetzung gibt, wird es auf jeden Fall mehr Inhalte zum mobilen Bereich geben, also vor allem wie man Twitter mobil nutzen kann. Es wird auch sehr viele Geschichte geben von Leute, die erzählen wie sie Twitter nutzen und warum sie es nutzen. Die Duisburger Philharmonie zum Bespiel führt ihre steigenden Besucherzahlen darauf zurück, dass sie einen Twitter-Account haben und ihre Besucher so besser informieren können. Wir werden auch erzählen, wie viele Firmen anfangen, auch intern Microblogging Dienste zu nutzen. Wenn wir uns irgendwann mal an den Gedanken gewöhnt haben, werden wir vielleicht ein zweites Buch angehen, aber momentan sind wir eigentlich ganz zufrieden.
Vielen Dank Frau Simon für das interessante und aufschlussreiche Interview!
Und wer noch immer nicht genug hat von Twitter, hier gibt’s noch ein lustiges, jedoch etwas kritisches Video über Twitter:
Tags: Brands, Nicole Simon, Twitter, Twitter Mobile
