SMS VON ANGIE? Mobile Marketing zur Bundestagswahl 2009

Die nächste Wahl kommt bestimmt – und zwar schon am 27. September 2009. Momentan sieht es nicht so aus, als würden Angie und Co. um ihre Spitzenplätze fürchten müssen. Die deutschen Wähler sind angeblich nicht in Wechselstimmung. Dennoch: Alle Parteien werden spätestens im Sommer massiv Werbung betreiben, sei es bei den Öffentlich-Rechtlichen, auf Plakaten am Straßenrand oder im Wahlkiosk in der Fußgängerzone. Wie sieht es mit den digitälen Kanälen, vor allem dem Mobilen, aus?

“WUCIWUG…VTE VBR 2MORO“ – What you see, is what you get, vote Labour tomorrow. So lautete die SMS Nachricht, die Tony Blair 2001 am Tag vor der Wahl auf 100.000 brittische Handys schicken ließ.

Was im Ausland bereits Alltag ist, nämlich die Wähler direkt auf ihren Handys zu erreichen, steckt bei uns noch in den Kinderschuhen. Eine SMS, die zur Bundestagswahl 2002 am Wahltag an einige Bürger rausging, lautete: „Guten Morgen zur Bundestagswahl! Wählen Sie bitte die bessere Regierung: CDU und mit Ihrer Erststimme Hans-Jochen Henke und Angela Schmid.“ Abgesehen davon, dass laut § 32 des Bundeswahltagsgesetzes Parteiwerbung am Tag der Wahl, am Ort des Geschehens – die SMS hätte theoretisch in der Wahlkabine ankommen können – verboten ist, erinnert der Tonfall der Nachricht doch sehr an eine Ära, die man gern hinter sich lassen möchte. Immerhin, man sagte „Bitte“.

Das Handy ist das persönlichste Medium unserer Zeit. Werbebotschaften werden fast immer als massiver Eingriff in die Privatsphäre empfunden. Dies gilt zumindest für den Bereich der Push Maßnahmen. Man muss sich nur mal die Verwirrung eines Bürgers vorstellen, der eine SMS zur Bundestagswahl erhält. Ja genau, wo haben die denn eigentlich seine Nummer her? Service-orientierte Pull Maßnahmen dagegen könnten objektiv betrachtet, viel zur politischen Aufklärung beitragen und vor allem die heiß begehrte jüngere Zielgruppe ansprechen. Plant die CDU zum Beispiel einen Podcast, den man sich per SMS über ein Wahlplakat auf sein Handy holen kann?

Das junge Team der Team 2009 Seite, die die CDU und somit die Kanzlerin unterstützt, twittert, bietet aber keine Angebote fürs Handy. „Die Kanzlerin ist viel unterwegs.“ steht auf www.bundeskanzlerin.de. Wir auch! Aber mobil will uns Angela Merkel trotzdem nicht erreichen. Aber: Immerhin war sie die Erste, die sich via Online-Podcast direkt an uns Bürger wandte. Die offizielle Seite www.bundesleiter.de offenbart auch nach längerer Untersuchung keine Angebote fürs Handy.

Die Bundeszentrale für politische Aufklärung aber bewirbt auf ihrer Internetseite Pocket Politik, das Lexikon fürs Handy. Das Programm kann man sich auf diversen Wegen aufs Handy holen. Es beschäftigt sich mit 237 Begriffen und macht Poliktik im allgemeinen für Jedermann verständlich. Ein weiteres Angebot der Zentrale: der interaktive Wahl-o-Mat, den es online, aber eben auch fürs Handy gibt: Er erleichtert über eine Art persönliche politische Analyse die Entscheidung für eine Partei.

Per SMS kann man sich auf der Seite des Europaparlaments an die Europawahl am 07. Juni 2009 erinnern lassen.
Eine beispielhafte Aktion startete übrigens bereits im Jahr 2005 die Rhein-Zeitung: Interessierte konnten 35 Bundestags-Direktkandidaten aller Parteien Fragen per SMS stellen. Wieviel politische Aufklärung das bringt, sei dahingestellt, aber Aufmerksamkeit sollte sich zumindest damit erzielt haben lassen.

Vorreiter in Sachen neue Medien ist derzeit Barack Obama: Mit der Bekanntgabe seines möglichen Vize-Präsidenten auf 2,9 Millionen – registrierten – Anhänger-Handys startete er bereits 2008 die größte mobile Kampagne, die es in den USA je gab.

Aktuelle mobile politische Angebote sind in Deutschland also noch rar gesät. Immerhin haben alle großen Parteien die Social Communities wie Twitter und Facebook für sich entdeckt. Und die kann man ja immerhin auch mit dem Handy besuchen.

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