Oldie Marketing – Mobile Geräte und Services für Senioren
Es ist ein weit verbreitetes Phänomen: Ältere Menschen schreien ins Telefon. Und zwar so laut, dass man annehmen müsste, dem Angerufenen fällt nach ein paar Minuten das Ohr ab. Aber sie schreien nicht etwa, weil sie selbst so schlecht hören, sondern weil sie glauben, die Distanz der Telefonleitung überbrücken zu müssen. Fragt sich, was passiert, wenn ein Telefon auch noch Blutdruck messen oder im Notfall mit einem Klick einen Arzt benachrichtigen kann.
Eine Studie der „Aris Umfrageforschung“ hat ergeben, dass 58% aller Deutschen über 65 Jahre weder Handy, noch PC besitzen. „Die digitale Spaltung der Gesellschaft ist vor allem eine Spaltung zwischen Alt und Jung“, sagt Bitkom-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer [Source]. Die Geräte sind immer noch zu kompliziert, ältere Menschen wollen sich damit nicht belasten. Immerhin 4% aller über 80-Jährigen besitzen ein Handy.
Nach der großen Hitzewelle im Jahre 2003 mit über 10.000 Todesopfern, vorwiegend ältere Menschen, erwog man in Frankreich die Einführung eines Rentner-Handys mit Notfalltasten für Familie und Feuerwehr. „Viele der Opfer hätten gerettet werden können, wenn sie ein bedienungsfreundliches Telefon gehabt hätten.” sagte der französische Staatssekretär für Mittelstand, Renaud Dutreil [Source].
Was hat sich seitdem auf dem Senioren-Markt getan?
Die Zielgruppe der ab 70-jährigen ist nicht völlig uninteressant für die Handybranche. Handyanbieter wie fitage haben sich auf diese Generation spezialisiert.
2006 stellte fitage mit “Katharina das Große Handy” das weltweit erste Mobiltelefon vor, das durch spezielle Hörgeschädigtenanpassung, drei Direktwahltasten und außergewöhnlich große Bedienelemente auch bei visuellen und taktilen Einschränkungen eine Nutzung dieser Kommunikationsmöglichkeit gewährleistete.
Eine Studie des Magazin Tests hat 2008 ergeben, dass das Nokia 3110 Classic und das fitage Big Easy 2 unter den Senioren am beliebtesten sind. Auf noch mehr Sicherheit setzt übrigens das Secuphone BX55 aus der Schweiz, das die Notruffunktion mit Satellitenortung kombiniert. Ein GPS Empfänger übermittelt den Standort des Handynutzers an eine Notrufzentrale.
Der japanische Netzbetreiber NTT DoCoMo hat 2007 einen Service entwickelt, der beispielsweise die Sprechgeschwindigkeit des Anrufers verlangsamt. Zusätzlich wird über eine Clear-Voice Funktion die Hörerlautstärke und der Klingelton an die Umgebung angepasst. Eine Vorlesefunktion für Webseiten und Anrufernamen runden das Angebot ab.
Soweit die Technik. Und was ist mit Spaß? Wie es scheint, hat der mobile Fun der jüngeren Generation ein Verfallsdatum (- noch).
Werden gehbehinderte Rentner irgendwann ihre Wählerstimme per SMS abgeben? Postet Erika (68) beim Senioren-Treff ihren Facebook Status? Checkt Hans (79) mal eben, wo sich seine Freunde gerade befinden? Schwer vorstellbar. Aber auch die Spaß Generation von heute wird mal älter. Wird mal schlechter sehen können. Wird schlechter hören können. Werden sie nicht trotzdem mit ihren Freunden in Kontakt bleiben wollen? Werden wir nicht alle darauf gepolt sein, mit unseren Handys Grenzen von Zeit und Raum mühelos zu überbrücken?
Man darf gespannt sein, wie die Mobile Branche mit dieser Entwicklung mithalten wird.
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