MOBILE WHAT??
Unbedingt ausprobieren: Eltern und Freunde nach dem eigenen Beruf befragen. Das gibt lustige Überraschungen. Meine Mutter, 68, sagt: Du machst Werbung. Mobile Marketing kennt sie nicht. Meine Schwester, 33, macht aus mir einen „160 Zeichen-Texter“. Meine Freundin, 27, ist auf der Suche nach dem Sinn von Mobile Marketing. Party Small Talk – Thema Beruf – entwickelt sich zu langwierigen Erklärungsmonologen meinerseits: Mobile Internet („Internet auf dem Handy“), Applikationen („kleine Programme fürs Handy“) oder Bluetooth („kostenlos Content, zum Beispiel Gutscheine, aufs Handy bekommen“). Verstehendes Nicken der Gäste, Unverständnis im Gesicht.
In wieweit ist Mobile Marketing also wirklich mit allen Konsequenzen in den Köpfen unserer Zielgruppen angekommen? Mobile Marketing Experten sprechen seit Jahren vom Mobilen Boom: “In den nächsten beiden Jahren werden wir den Boom sehen”, prognostiziert als nur Einer von Vielen der „Telekom Experte“ Wolf-Ingomar Faecks, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Sapient. Immer wieder im da, wieder weg, totgeglaubt und neu geboren: Mobile Internet.
Während eine Mobile Site für Branchenkenner längst Alltag ist und Gähnen hervorruft, ist sie für die heiße Zielgruppe zwischen 13 und 20 Jahren nie betretenes Neuland: Eine gemeinsame Umfrage der INTERNET WORLD Business und des Jugend-Marktforschungsinstituts Youngcom hat 2008 ergeben: 86 Prozent der 1.200 befragten Internetnutzer zwischen 13 und 20 Jahren gehen nie mit dem Handy ins Netz …“ Der Hauptgrund sind die Kosten. Immer wieder gern gehört: „Oh mein Gott, war ich jetzt drin? Bin ich jetzt pleite?“ Schuld: die zufällig gedrückte Internet Taste auf dem Handy.
Aber: Die RTL Group verzeichnet monatlich 2,87 Mio. Besucher auf ihrem Mobilen Portal. Nestlé entdeckt neulich die Zielgruppe Eltern und springt mit einer Mobile Site auf den Zug auf. Immer mehr Automobilhersteller präsentieren einen QR Code auf ihrer Werbung. Laut einer Studie von Juniper werden im Jahr 2011 mehr als 150 Millionen Menschen Mobile Banking Services nutzen.
Doch inwieweit entsprechen diese Zahlen und Kampagnen der Realität? Höre ich mich in meiner Familie, in meinem Bekanntenkreis um, sehe ich einen Boom in weiter Ferne. Vielmehr stelle ich immer wieder fest: Mobile Marketeer müssen behutsamer werden. Sich nicht ausbremsen, aber Tempo rausnehmen, Wissen dosierter einsetzen. Eine Branche, die sich gegenseitig hochpusht, tut sich und vor allem ihren Zielgruppen keinen Gefallen.
Mobile Marketing muss vor allem zunächst Transparenz schaffen. Die Fragen nach dem Wie? Warum? Wann? beantworten. Warum soll ich eine Probefahrt auf einer Mobile Site vereinbaren? Warum soll ich mir einen Klingelton über einen Code Reader holen? Was kostet es, wenn ich eine Internetseite aufrufe? Während man sich unter Werbern noch gegenseitig aufklärt: „Mobile Tagging – woher kommt es & was tut es?“, wundert man sich, warum eigentlich noch nicht Alle einen Code Reader auf ihrem Handy haben.
Woher aber soll ein Mobile Marketeer wissen, wieviel km/h auf dem Weg zum Boom erlaubt sind? Eigentlich das tun, was immer gilt: Eltern und Freunde fragen.
Quellen:
Mobile Zeitgeist: Nutzungszahlen zu RTL Mobile
Nestlé wirbt bei Eltern für Mobilem Babyservice
Tags: Mobile Internet, mobile marketing, QR Codes, Zielgruppe
